Managementausbildung

Ein historischer Rückblick auf die Ausbildung von Führungskräften

Die Anfänge der Managementausbildung sind in der mittelalterlichen Kaufmannsausbildung zu finden. Der Lehrling lernte zu jenen Zeiten hauptsächlich durch Nachahmung. Jeder Lehrmeister hatte eigene Lehrmethoden. Die Ausbildungsinhalte waren nicht schriftlich vorgegeben. Das Prinzip des „imitation“-Lernens galt grundsätzlich auch in kaufmännischen Berufen. Da die Kaufmannstätigkeit damals häufig die Form des Wanderhandels hatte, geschah die Ausbildung an unterschiedlichen Lernorten, oft auch im Ausland.

Seit dem Spätmittelalter prägte ein hoher Grad von Schriftlichkeit und Formalisierung die Kaufmannslehre. Die Inhalte der Ausbildung waren auch in der frühen Neuzeit weitgehend praxisbezogen und zielten äußerst genau auf die Anforderungen der Berufstätigkeit ab. Lehr- und Lernmethoden tendierten nicht so sehr in Richtung kognitiver Wertigkeit, sondern richteten sich nahezu allein auf die Effektivität des Lernerfolges aus.

dreamstime_xs_27375116Notwendige Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg des Kaufmanns waren praktische Fähigkeiten wie Lesen, Rechnen und Sprachkenntnis. Eine angemessene Bildung in den Bereichen Recht, Warenkunde, Währung und Geografie zählten ebenso zu den Voraussetzungen wie ein ausgeprägtes Gewinnstreben, Organisationstalent, rationale und emotionale Intelligenz sowie politischer Weitblick.
Dieser berufsbezogene kaufmännische Bildungsbedarf gab wichtige Impulse hinsichtlich des Lesens und Schreibens, vielmehr jedoch noch bezüglich des Rechnens und der Buchführung, die zur Gründung von Schreib- und Rechenmeisterschulen, aber auch von Winkelschulen führten, welche diesem spezifischen Bedarf gerecht werden konnten. Hinzu kam, durch die Erfindung des Buchdrucks begünstigt, eine sich rasch erweiternde Fachliteratur. Diese bestand vor allem in Lehrbüchern zu einzelnen Curriculumelementen.

Die Auseinandersetzung mit der Kaufmannsausbildung dieser Zeit zeigt deren enge Verknüpfung mit der elementaren, aber auch speziellen Schulbildung. Die zunehmende Alphabetisierung und Rechenfähigkeit sowie Spezialkenntnisse wie die Buchführung entsprangen nicht nur der Berufsausbildung in engerem Sinne. Solche Kenntnisse und Fähigkeiten wurden auch von Schreib- und Rechenmeisterschulen, Lateinschulen, „deutsche“ Schulen und Gymnasien vermittelt, die sowohl gelehrten als auch praxisbezogenen Unterricht anboten.

Die großen, erfolgreichen und zum Teil weltweit tätigen Kaufleute des späten Mittelalters, darunter deutsche Firmen wie Welser, Fugger, die Hanse oder die Ravensburger Handelsgesellschaft kamen jedoch nicht auf die Idee, ihrer Tätigkeit eine fundierte wissenschaftliche Grundlage zu geben. Sie legten Wert auf Sprachen, Warenkunde, Märkte, Transportwege und Kenntnisse fremder Kulturen. Alles andere war Erfahrung, die häufig teuer erkauft und gegebenenfalls, so sie nicht genügte, auch teuer bezahlt werden musste.

Im 19. Jahrhundert ging es mit der Managementausbildung jedoch Schlag auf Schlag. Als erste Business School der Welt wurde im Jahr 1819 in Paris die „Ecole Spéciale de Commerce et d’Industrie“ von einer Gruppe von Unternehmern und Wirtschaftswissenschaftlern gegründet. Unter den Gründungsmitgliedern der bald in „Ecole Supérieure de Commerce“ umbenannten Schule waren der berühmte Kaufmann Vital Roux und der bedeutende Ökonom Jean-Baptiste Say. Fünfzig Jahre später, im Jahr 1869, wurde diese Schule dann zur noch heute bestehenden ESCP. Mit der Wharton School der University of Pennsylvania nahm 1881 die erste Business School der USA ihren Betrieb auf. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gingen im Jahr 1898 die Handelshochschulen und Lehrstühle in Leipzig, Aachen, Wien und St. Gallen an den Start. Erst 1908 kam die renommierte Harvard Business School hinzu.

Der MBA (Master of Business Administration), der lange Zeit als Karriereturbo im Managementbereich schlechthin galt, wurde erstmals 1902 an sieben Absolventen des Dartmouth College im US-amerikanischen New Hampshire verliehen. Damals trug dieser Abschluss noch den Namen „Master of Commercial Science“. Der heutige Titel „Master of Business Administration“ setzte sich erst im Laufe der Zeit durch.

Etwa um diese Zeit wurde Unmut über das praxisferne und ineffektive amerikanische Bildungssystem laut. Eine schnelle Änderung in Form einer zunehmend praxisbezogeneren Ausbildung an den US-Universitäten sollte diesen Zustand verbessern und zugleich den Vorsprung Deutschlands in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht aufholen. Nach dem Dartmouth College stellte sich 1908 auch die Harvard University den Herausforderungen der neuen Lehrprogramme zur Managementausbildung.

Die Entwicklung der Master-Studiengänge wurde immer weiter vorangetrieben. Zu Beginn waren indes Studiengänge mit Bachelorabschluss wesentlich verbreiteter. Erst in den 1950ern stieg das Interesse, nachdem die MBA-Programme durch verbindliche Pflichtkurse wie Finanzierung, Buchführung, Marketing und Management erweitert wurden. Nunmehr beschäftigte sich die Management-Ausbildung auch nicht mehr ausschließlich mit technischen Fähigkeiten, sondern begriff immer mehr den Menschen an sich als Mittelpunkt. An vorderster Stelle standen jetzt Mitarbeitermotivation, personeller Ressourceneinsatz sowie optimale Produktionsbedingungen. Diese Veränderungen bewirkten eine zunehmend steigende Anerkennung und damit auch einen größeren Zulauf von Studenten. Ende der 1950er nahm der MBA bereits 15 Prozent der universitären Business-Ausbildung ein.

Die meisten auf Wirtschaft spezialisierten Universitäten Europas entstanden erst gegen Mitte der 1960er Jahre. Führend waren die Schweiz, Großbritannien, Frankreich und Spanien. Schon früh kristallisierten sich zwei Bildungsrichtungen heraus: Einrichtungen wie die Londoner Business School oder das IESE in Barcelona orientierten sich eher in akademischer Richtung, während das GSBA in Zürich und das Henley Management College eine stärker praxisbezogene Ausbildung boten.
Zu Beginn der Rezession in den 70er Jahren wurde den MBA-Programmen in den USA eine weniger gute Zukunft vorausgesagt. Namhafte Wirtschaftsmagazine, allen voran das Wall Street Journal, prophezeiten einen Rückgang der Jobs für MBA-Absolventen und damit auch eine erhebliche Senkung der Studentenzahlen an den Business Schools. Völlig unerwartet passierte jedoch das Gegenteil. Die Nachfrage nach MBA-Programmen war so stark wie nie zuvor. Im Vergleich zum vergangenen Jahrzehnt stieg die Verleihung von MBA-Titeln um das Vierfache. Eine enorme Zuwachsrate brachte zudem der gewaltige Ansturm weiblicher Studenten.

Viele in diesem Jahrzehnt umgesetzte Erneuerungen bezüglich der Lernmethoden und des Lehrangebotes sollten vor allem dazu dienen, den eigenen Stil der MBA-Programme zu verdeutlichen und weiterhin auszubauen. Besonderer Wert wurde auf eine praxisnahe Ausbildung gelegt. Die MBA-Studenden der Southern Methodist University bekamen erstmals die Gelegenheit, ein echtes Unternehmen zu führen.

Auch die 80er Jahre starteten mit schlechten Nachrichten über die MBA-Programme. Die rasante Entwicklung und die steigende Anzahl an Absolventen ließen befürchten, dass nicht alle auf dem bestehenden Markt unterkommen würden. Zugleich wurde Kritik laut, dass die Absolventen nicht mit den altgedienten Mitarbeitern übereinkämen und zudem materialistisch eingestellt und arrogant wären. Nach dieser kleinen, öffentlich diskutierten Krise setzte sich der Boom des MBA jedoch ungehindert fort, bis gegen Ende der 80er Jahre erneut die Sorge aufkam, dass nicht genügen Arbeitsplätze für alle Absolventen vorhanden wären, worauf der Strom an Interessenten abnahm.

Dank wiederholter Programmänderungen gewannen die Business Schools das Vertrauen der Öffentlichkeit jedoch bald zurück. So wurden in die bisher auf die Fachkompetenz komprimierte Ausbildung weitreichendere Aspekte wie politische, soziale und ökonomische Bedingungen und Sichtweisen inkludiert. Zu bereits enthaltenen Studienschwerpunkten wie Management, Marketing und Buchführung gesellten sich neue wie Verhandlungs- und Führungstechniken und Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten.

Hierzulande ist es nicht üblich, Führungskräfte im Anschluss an ihre Erstausbildung noch jahrelang an der Uni zu drillen. Weitgehend liegt es in der Verantwortlichkeit der unternehmensinternen Führungskräfteentwicklung, ihnen entsprechende strategische Fertigkeiten zu vermitteln. Seit der 1998 erfolgten Novellierung des Hochschulrahmengesetztes dürfen jedoch unter anderem die betriebswirtschaftlichen Fakultäten an den Fachhochschulen und Universitäten Master-Abschlüsse anbieten. Diese Programme richten sich allerdings zumeist an Studenten mit wenig Praxiserfahrung.

Die Ausbildung für praxiserfahrene Manager von unnötigem theoretischem Ballast zu befreien und einen Bezug zu den Unternehmen herzustellen, erweist sich als schleppender Prozess. Zwar funktioniert die Zusammenarbeit von Praktikern und Professoren in zahlreichen ausgegründeten Beratungsunternehmen hervorragend. An der Universität ist es jedoch vielen Dozenten auch weiterhin unangenehm, zu weit in die Praxis einzutauchen. Grund hierfür ist die Befürchtung, ihr Ruf in Wissenschaftlerkreisen könnte Schaden nehmen.

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen