Historischer Rückblick

Die Geschichte des Fernstudiums reicht weit zurück. Bereits im 19. Jahrhundert stieg aufgrund der Industrialisierung die Relevanz des Faktors Bildung deutlich an. Im Jahre 1856 wurde in Berlin der erste Brieflehrgang für das Erlernen einer Sprache veröffentlicht: hier wurde bereits ein postalischer Austausch der Unterlagen zwischen Studierenden und Lehrenden vorgenommen. In 1920er Jahren versuchte man die Idee, einen Universitätsabschluss durch ein Fernstudium zu erlangen, umzusetzen. Dies geschah jedoch zunächst mit weniger Erfolg, da es damals schwerer war, Prüfungen fernab der Universität abzulegen.

dreamstime_xs_34405027Erst nach dem Zweiten Weltkrieg fasste das Fernstudium in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR richtig Fuß. Das Bild eines Fernstudiums war jedoch zunächst uneinheitlich, da jedes Bundesland eigene Bildungsfragen kreierte. 1974 wurde die erste Fernuniversität in Nordrhein-Westfalen errichtet. Bis heute genießt die Fernuniversität Hagen einen hervorragenden Ruf. Sie war die erste Fernhochschule ihrer Art, wobei es bereits seit vor dem Ersten Weltkrieg das in Potsdam gegründete „Rustinsche Lehrinstitut für Selbstunterricht“ gab. Beide Schulen konnten jedoch wegen der unterschiedlichen Abschlüsse schlecht miteinander verglichen werden. Die Fernuniversität Hagen ist die erste Fernhochschule, die eine Zeitschrift mit dem Thema „Fernunterricht“ herausgab.

Seit 1977 gibt es ein Fernunterrichtsschutzgesetz. Es schützt den Fernunterricht als eigene Art und die daran partizipierenden Studierenden. Jenem Gesetz zufolge werden im Fernunterricht Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, dies jedoch ohne direkten Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden. Der Lehrer überwacht trotzdem die Lernfortschritte des Lernenden. Hier handelt es sich also nicht um Selbstlernen, denn beim Selbstlernen gibt es im Unterschied zum Fernunterricht keine externe Hilfestellung. Für alle Fernlerngänge in Deutschland ist die Zulassung nach diesem Fernunterrichtsschutzgesetz von 1977 Pflicht. Die Entscheidung über die Zulassung wird von der ZFU, der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht mit Sitz in Köln, getroffen. Fernunterrichtsanbieter müssen hierfür einen Antrag einreichen, der auf Rechtliches und Pädagogisches geprüft wird. Bei Zulassung eines Fernlehrgangs bekommt der Fernunterrichtsanbieter eine Zulassungsnummer, die zukünftig gut lesbar in sämtlichen Informationsmaterialien des Anbieters zu finden sein muss. Nur auf diese Weise wissen Außenstehende, ob eine legitime Zulassung stattfand. Da die Prüfung zur Zulassung sehr zeitintensiv ausfallen kann, wurde die Möglichkeit eingeräumt, einen Fernunterrichtslehrgang vorläufig zuzulassen. Diese Vorläufigkeit muss jedoch im Infomaterial des Anbieters deutlich artikuliert werden. Die relativ lange Dauer der Prüfung zur Zulassung durch die ZFU lässt sich dadurch erklären, dass ganz präzise und intensiv das Lernziel für Lernende geprüft werden muss. Ein wichtiges Kriterium für die Prüfung ist dann nicht nur die Vermittlung des Lernstoffs, sondern auch der ausreichende Bezug zur Praxis. Nur auf diese Weise lässt sich die Qualität eines Lehrgangs rechtfertigen. Für die Studierenden ist diese Qualitätskontrolle ein wichtiger Schutz.

 

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