Geschichte des Managements

Wie hat sich das Management entwickelt?

Dem Managementforscher Wolfgang Staehle zufolge ist eine auf Arbeitsteilung beruhende Verrichtung von Managementaufgaben unter wirtschaftlicher Perspektive erstmals zur Mitte des 18. Jahrhunderts erkennbar. Den historischen Ausgangspunkt bildete die der Industriellen Revolution folgende technische Rationalisierung, die zunächst Westeuropa, später auch Nordamerika betraf. Begünstigend wirkte zudem die Entstehung von Großorganisationen, die rasch die im Mittelalter üblichen, weitgehend individualisierten Produktionseinheiten (bäuerliche Selbstversorgung, Kleinsthandwerker, Gilden) ergänzten und letztendlich beinahe vollständig ablösten. Diese modernen Großorganisationen entwickelten einen steigenden Bedarf an unterschiedlichsten Fach- und Führungskräften.

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Wird die ökonomische Perspektive außer Acht gelassen, ist allerdings schnell erkennbar, dass bereits seit Menschengedenken, spätestens jedoch ab der Erfindung der Schrift,besonders qualifizierte Personen für die verschiedensten Führungs- und Organisationsaufgaben zuständig waren. Eine große Rolle spielte von Beginn an der heute häufig betonte Faktor „Wissen“ in all seinen Ableitungen wie Know-how, Kompetenz oder Expertise. So kompensierten beispielsweise die Römer ihren gegenüber den konkurrierenden Karthagern nachteiligen Standort hauptsächlich durch ihren hohen wissenschaftlichen Bildungsstand und eine bessere Ausbildung. Sowohl das römische Justizwesen als auch die Verwaltungsbürokratie waren in Europa einzigartig. Noch heute beeindrucken die imposanten, von römischen Ingenieuren gebauten Straßen und Viadukte.

Ohne entsprechende Managementfähigkeiten währen diese Leistungen ebenso wenig möglich gewesen wie die Erweiterung und Modernisierung des Inkareiches im 15. Jahrhundert. Schon die Führer dieses Volkes erkannten, dass ihr riesiges Imperium, zu dem in seiner Blütezeit sechs Millionen Einwohner zählten, auf eine gute Kommunikation und eine brauchbare Logistik angewiesen ist. Das von den Inkas eingeführte standardisierte Verwaltungssystem nahm das heute gängige Dezimalsystem vorweg. Entlang eines überraschend gut durchdachten, in den Urwald geschlagenen Straßen- und Kuriernetzes, welches mehr als 20.000 km lang war, fanden sich Raststationen, Festungen und Lagerhäuser. Diese Investitionen, die dem reibungslosen Austausch von Nachrichten und Waren dienten, entsprechen bereits voll und ganz dem modernen Managementgedanken.

Vergleichbar ist die Lage im Frankreich des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Fähige Ökonomen führten zur damaligen Zeit unter Ludwig dem XIV. den Staat erstmals auf der Basis finanzwissenschaftlicher Kenntnisse und statteten ihn letztlich mit einem nach Sachgebieten geordneten zentralen Etat aus. Als England Frankreich als europäische Großmacht ablöste, geschah dies wiederum auf Grundlage von Wissensvorsprüngen. Galt der westeuropäische Inselstaat doch als Vorreiter bahnbrechender technischer Neuerungen. Zu den wichtigsten Erfindungen dieser Epoche zählten beispielsweise das erste mechanische Spinnrad von James Wyatt, die Dampfmaschine von James Watt und die genialen Ideen des Werkzeugmachers Joseph Withworth, dessen Erzeugnisse das Fundament für die später folgende Industrielle Revolution bildeten.

Im Unterschied zum heutigen Management wurden die früheren zumindest managementähnlichen Leistungen zumeist in einem politischen, kirchlichen oder militärischen Zusammenhang erbracht. Dennoch war der moderne Mensch schon immer bestrebt, seine Ziele durch eine planvolle Herangehensweise effektiver und effizienter zu verwirklichen. Zu diesem planvollen Vorgehen trägt in wirtschaftlichem Kontext insbesondere die auf Arbeitsteilung beruhende Funktionsspezialisierung bei. Das Grundprinzip, durch Arbeitsteilung und Spezialisierung Effizienzvorteile zu erzielen, wurde zu unterschiedlichen Zeiten durch einflussreiche Wegbereiter des Managements in verschiedenster Weise variiert und weiterentwickelt. Die Bildung einer durch den Eigentümer beauftragten Managerkaste ist letztendlich ebenfalls Ausdruck dieses Prinzips.

Theoretisches Wissen hinsichtlich der unternehmerischen Praxis wurde allmählich ab dem 18. Jahrhundert entwickelt. Der als Begründer der klassischen Nationalökonomie geltende schottische Moralphilosoph und Aufklärer Adam Smith (1723 – 1790) schrieb über Arbeitsteilung und freie Märkte. Das Erscheinen seines ökonomischen Hauptwerkes mit dem Titel „Wohlstand der Nationen – Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen“ (im Original: „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“) wird als die Geburtsstunde der englischen Nationalökonomie verstanden.

Mit der zunehmenden Technologisierung wurde auch das Wirtschaften während des 19. Jahrhunderts immer komplexer. Unternehmer sahen sich genötigt, neue Konzepte zu entwickeln, um Wettbewerbsvorteile zu erreichen. Aus dieser Notwendigkeit heraus entstand mit Beginn des 20. Jahrhunderts das moderne Management. Der als Begründer der Arbeitswissenschaft geltende Frederick W. Taylor (1856 – 1915) legte die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung dar. Harrington Emerson (1853 – 1931), ein amerikanischer Unternehmensberater, übertrug das Organisationsmodell der Stablinien-Organisation von Graf Helmuth von Moltke auf Unternehmen. In den Jahren 1904 bis 1907 reorganisierte er die „Atchinson, Topeka und Santa Fe Eisenbahn“ (ATSF).

Er führte einen Bonusplan, Standardkosten sowie die Buchführung mithilfe von Tabulatoren ein und plante die Wartung des Equipments und des rollenden Materials. Im Jahr 1913 gelang es schließlich Henry Ford (1863 – 1947) gemeinsam mit seinem Ingenieur Sörensen und dem Vorarbeiter Lewis ein permanentes Fließband aufzubauen, mit welchem er die Produktion seines T-Modells so enorm steigerte, dass er den Preis erheblich senken und zugleich die Löhne erhöhen konnte.
Der hinter diesen Konzepten stehende Effizienzgedanke ist bis heute gültig. Die ihm zugrunde liegenden Methoden haben sich jedoch mittlerweile geändert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten Messbarkeit und Kontrolle den Mittelpunkt. Der Mensch diente als Werkzeug. Seine Fähigkeiten und Eigenschaften wurden hingegen nicht einbezogen. Eine Veränderung, deren Auswirkungen immer noch deutlich spürbar sind, trat in den 20er Jahren ein. Die US-Politwissenschaftlerin Mary Parker Follett (1868 – 1933) und andere Managementtheoretiker beschäftigten sich zunehmend mit dem Einfluss zwischenmenschlicher Beziehungen auf die Wirtschaft. Follett zufolge kommt der Partnerschaft und der Koordination eine größere Bedeutung zu als der Hierarchie und der Autorität. Diese auf Teamarbeit und Verantwortlichkeit abzielende Führungstheorie unterschied sich deutlich von dem bis dahin gültigen mechanistischen Managementbild.

Der Managementexperte Peter Drucker prophezeite nach dem Zweiten Weltkrieg, dass das Wissen der Mitarbeiter sich zukünftig zu einem entscheidenden Produktionsfaktor entwickeln würde. Da diesen daraus folgend ein noch höherer Stellenwert zukäme, müssten die Organisationen sich verändern. Faktoren wie Motivation, die Zusammensetzung von Teams und sich selbst organisierende Arbeitsgruppen sollten für das Management eine immer bedeutendere Rolle spielen. Diese Ansätze blieben jedoch in den meisten Unternehmen lange Zeit Theorie. Die Betriebe wurden nach wie vor eher verwaltet denn geführt. Letzten Endes setzten sich die Ideen Druckers indes zunehmend durch. Mittlerweile genießen zwischenmenschliche Aspekte der Unternehmensführung eine hohe Priorität. Manager sind angehalten, sich verstärkt mit Fragestellungen zu sozialer Kompetenz, emotionaler Intelligenz sowie dem Wert von Erfahrung auseinanderzusetzen.

Derzeit hinkt die Managementausbildung diesen gestiegenen Ansprüchen noch hinterher. Sogar der als Standardabschluss für Manager geltende Master of Business Administration (MBA) steht in der Kritik. Aus diesem Grund fordern Vordenker wie der kanadische Professor für Betriebswirtschaftslehre und Management Henry Mintzberg die praxisnähere und interdisziplinäre Ausbildung künftiger Führungskräfte.

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